Mitreden · Teil 4 von 6
Informationen prüfen
Vor einer Abstimmung kommen Botschaften von allen Seiten. Nicht alles stimmt, und vieles ist so formuliert, dass es einer Seite hilft. Hier lernst du, wie du Informationen einordnest.
Nach dieser Seite kannst du · etwa 25 Minuten
- mit sechs Fragen prüfen, wie verlässlich eine Information ist
- Umfragen und Prozentzahlen richtig lesen
- Wörter erkennen, die eine Meinung transportieren
- die eigene Meinung begründen und ein Gegenargument nennen
Sechs Fragen an jede Information
- Wer sagt das?Eine Behörde, eine Partei, ein Verband, eine Zeitung oder ein anonymes Konto? Steht ein Name dahinter?
- Woher stammt die Zahl?Wird eine Quelle genannt, und lässt sie sich finden? Eine Zahl ohne Quelle ist eine Behauptung.
- Wie aktuell ist es?Alte Bilder und Artikel werden oft neu geteilt, als wären sie von heute.
- Wem nützt es, wenn ich das glaube?Wer hat ein Interesse daran, dass du so denkst? Mehr dazu auf der Seite Wer entscheidet?
- Was sagt die Gegenseite?Im Abstimmungsbüchlein des Bundes stehen die Argumente des Bundesrats und des Komitees nebeneinander.
- Berichten andere auch darüber?Wenn nur eine einzige Seite etwas Spektakuläres meldet, ist Vorsicht angebracht.
Zahlen und Umfragen richtig lesen
Umfragen sind Momentaufnahmen
Vor Abstimmungen werden einige tausend Personen befragt. Das Ergebnis hat einen Fehlerbereich von einigen Prozentpunkten. Steht es in einer Umfrage 51 zu 49, ist das Rennen offen.
Ausserdem ändern viele Menschen ihre Meinung noch. Eine Umfrage sagt, wie es am Tag der Befragung aussah, nicht, wie es ausgehen wird.
Prozent wovon?
Bei einer Stimmbeteiligung von 45 Prozent und 55 Prozent Ja haben rund ein Viertel aller Stimmberechtigten Ja gesagt, denn 55 Prozent von 45 Prozent sind knapp 25 Prozent.
Das Ergebnis gilt trotzdem für alle. Wer nicht abstimmt, überlässt die Entscheidung den anderen.
Prozent oder absolute Zahl?
«Die Kosten steigen um 50 Prozent» klingt dramatisch. Ob es um 2 Franken oder um 2 Milliarden geht, sagt die Prozentzahl nicht. Darum immer nach der absoluten Zahl fragen.
Der gewählte Zeitraum
Wer eine Entwicklung zeigen will, wählt manchmal genau den Zeitraum, der am besten passt. Ein Vergleich über mehrere Jahre zeigt oft ein anderes Bild als einer über ein einzelnes Jahr.
Wörter, die eine Meinung transportieren
Dieselbe Sache lässt sich ganz unterschiedlich benennen. Die Wortwahl lenkt, wie wir darüber denken. Das nennt man Framing. Beide Seiten nutzen es.
| Wertende Formulierung | Eher neutrale Formulierung |
|---|---|
| «Heiratsstrafe» | Ehepaare zahlen bei der Bundessteuer teilweise mehr als unverheiratete Paare |
| «Böllerverbot» | Einschränkung von lärmendem Feuerwerk |
| «Steuergeschenk» | Steuersenkung für eine bestimmte Gruppe |
| «Kahlschlag beim Service public» | Kürzung des Budgets für öffentliche Dienstleistungen |
Wertende Begriffe sind nicht verboten, und manchmal treffen sie etwas Richtiges. Hilfreich ist, sie zu bemerken und sich zu fragen: Wie würde die Gegenseite dasselbe nennen?
Bilder und Videos prüfen
- Herkunft suchen. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche lässt sich herausfinden, wo ein Bild zuerst aufgetaucht ist und ob es aus einem anderen Zusammenhang stammt.
- Auf Details achten. Bilder und Stimmen können mit künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Ungewöhnliche Hände, verschwommene Schrift oder seltsame Schatten sind Hinweise, aber keine Beweise.
- Den Ausschnitt hinterfragen. Ein kurzer Ausschnitt aus einer Rede kann das Gegenteil von dem zeigen, was im ganzen Zusammenhang gesagt wurde.
Wo finde ich verlässliche Informationen?
- Das Abstimmungsbüchlein kommt mit den Abstimmungsunterlagen nach Hause. Es enthält den Text der Vorlage und die Argumente beider Seiten. Mehr dazu auf ch.ch.
- easyvote erklärt alle eidgenössischen Vorlagen kurz und parteipolitisch neutral.
- Swissvotes sammelt Ergebnisse, Parolen und Dokumente zu allen Abstimmungen seit 1848.
- Parteien und Komitees sagen klar, was sie wollen. Das ist nützlich, solange man weiss, dass sie für eine Seite werben.
- Mehrere Zeitungen lesen. Verschiedene Medien setzen verschiedene Schwerpunkte.
Die eigene Meinung begründen
Eine Meinung ist mehr als ein Gefühl. Dieses Gerüst hilft, sie in wenigen Sätzen zu begründen:
1 Ich bin dafür / dagegen, weil …
2 Ein Beispiel oder eine Zahl dazu ist …
3 Das stärkste Gegenargument ist …
4 Ich bleibe trotzdem dabei / ich bin unsicher geworden, weil …
Unsicher zu sein ist kein Fehler. Wer das stärkste Gegenargument kennt und ernst nimmt, hat sich eine Meinung gründlicher gebildet als jemand, der nur die eigene Seite kennt.
Teste dich
5 Fragen. Klick auf eine Antwort, dann erscheint die Erklärung. Es wird nichts gespeichert.
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In einer Umfrage stehen 51 Prozent Ja gegen 49 Prozent Nein, der Fehlerbereich beträgt rund 3 Prozentpunkte. Was heisst das?
Der Unterschied ist kleiner als der Fehlerbereich. Zudem ändern sich Meinungen bis zum Abstimmungstag.
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Die Stimmbeteiligung liegt bei 40 Prozent, 60 Prozent stimmen Ja. Wie viele aller Stimmberechtigten haben Ja gestimmt?
60 Prozent von 40 Prozent sind 24 Prozent. Das Ergebnis gilt trotzdem für alle.
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Welche Formulierung ist am neutralsten?
Die mittlere Formulierung beschreibt, was passiert, ohne es zu bewerten. Die anderen beiden werben für eine Seite.
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Ein Video ohne Quelle zeigt angeblich einen Skandal und wird tausendfach geteilt. Was ist ein guter erster Schritt?
Wenn etwas wirklich passiert ist, berichten meist mehrere Medien darüber. Viele Kommentare sagen nichts über den Wahrheitsgehalt.
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Was steht im Abstimmungsbüchlein des Bundes?
Neben Bundesrat und Parlament kommt auch das Komitee zu Wort, das die Initiative oder das Referendum lanciert hat.
Im Unterricht
Framing-Detektiv: Gruppen sammeln Slogans von Abstimmungsplakaten beider Seiten und formulieren sie neutral um. Danach wird besprochen, was sich an der Wirkung ändert.
Zahlen-Check: Mit echten Ergebnissen aus dem Abstimmungsarchiv berechnen, wie viele Stimmberechtigte tatsächlich Ja gesagt haben. Die Stimmbeteiligung steht bei vielen Vorlagen dabei.
Die Seite nimmt Kompetenzen auf, die Jugendliche im Jugend- und Demokratiemonitor 2025 des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente als besonders wichtig nennen: die eigene Meinung begründen und Falschinformationen erkennen.